Donnerstag, 27. August 2015

Buddhas Leben nach der buddhistischen Überlieferung. BLOG HJB68.




  1. Buddhas Leben nach der buddhistischen Überlieferung

    Religion-in-Japan > Ikonographie > Shaka > Buddhas Leben
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    Der hi­sto­ri­sche Buddha leb­te und wirk­te wahr­schein­lich um das Jahr 500 v.u.Z.1 Er ent­stamm­te dem Ge­schlecht der Sha­kyas im König­reich Ko­shala im heu­tigen Nepal, daher sein Bei­name Śākyamuni (= der Weise aus dem Shakya­ge­schlecht). Sein Eigen­name war Siddhārtha, sein Fa­mi­lien­name Gautama, weshalb er auch oft Gau­tama Bud­dha genannt wird. Die Legen­den aus sei­nem Leben ver­dich­teten sich im Laufe der Zeit zu einer Stan­dard­bio­gra­phie, die u.a. im soge­nann­ten Pali-Kanon ent­hal­ten ist.2 Auf dieser Seite sind die wich­tigs­ten Epi­so­den kurz zu­sam­men­ge­fasst: Geburt, Vier Aus­fahr­ten, Askese und Er­leuch­tung, Lehr­jahre und Ab­leben.

    Geburt

    Bud­dha wurde als Prinz ge­bo­ren. Sein Vater, König Śuddhodana, und seine Mut­ter, Kö­ni­gin Maya, waren be­reits seit zwanzig Jahren kinder­los, als die Königin im Traum einen weißen Ele­fan­ten sah, der vom Him­mel herab in ihren Körper fuhr. Da­rauf­hin wurde sie schwanger.
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    Geburt Buddhas
    Königin Maya hält sich wäh­rend der Ge­burt an den Zwei­gen eines Baumes fest. Der neu­gebo­rene Bud­dha entsteigt auf wun­der­same Weise aus ihrer rechten Taille.
    Abb. aus dem Kloster Sumtseg in Alchi, Ladakh, N-Indien.3
    Den Bräu­chen des Lan­des fol­gend sollte die Geburt im Eltern­haus der Königin, im be­nach­barten König­reich statt­finden. Das Kind kam aller­dings bereits auf dem Weg dort­hin im Blumen­garten von Lumbinī zur Welt. Der Neu­ge­bo­rene war gänz­lich frei von jeder Un­rein­heit, was sich auch darin aus­drückte, dass er aus der rech­ten Seite seiner Mut­ter aus­trat. (Auf allen bild­lichen Ab­bil­dun­gen dieser Szene ist deu­tlich zu er­ken­nen, wie sich die Köni­gin wäh­rend der Geburt an einem Ast fest­hält.) Bud­dha machte gleich nach der Ent­bin­dung sieben Schrit­te, unter denen je­weils eine Lotosblüte aus dem Boden wuchs, und ver­kün­dete: „Ich bin der Herr­scher der Welt, der Welt-Älteste, der Welt-Erste. Das ist meine letzte Geburt, es wird keine wei­tere mehr geben.“ Dies geschah am 8. Tag des Vierten Monats. Das Kind wurde Siddhartha genannt, was in etwa „der sein Ziel erreicht“ bedeutet. Sie­ben Tage nach seiner Ge­burt starb Köni­gin Maya. Sid­dhar­tha wurde daher von seiner Tante, Pra­ja­pati Gau­tami, auf­gezo­gen, die nun die Stel­lung ihrer Schwes­ter als Köni­gin über­nahm.

    Die Vier Ausfahrtentop↑

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    Siddhartha verlässt erstmals den Königspalast
    Mit 16 hei­ra­te­te Sid­dhar­tha seine Cousine Yaśodharā und lebte fortan in un­be­schwer­tem Luxus. In seinem 29. Jahr aber drängte es ihn, die Welt außer­halb des Pa­las­tes kennen zu lernen und er unter­nahm die le­gen­dären Vier Aus­fahrten. Dabei ge­wahrte er Vier An­sichten, die ihm bisher ver­borgen geblieben waren. Er sah erstmals einen Greis (das Alter), einen Fieber­kranken (die Krank­heit), einen Leichnam (den Tod), und schließ­lich einen As­keten. Diese Er­leb­nis­se ver­an­lass­ten Sid­dhar­tha, sein Haus zu ver­lassen, sich das Haupt zu scheren und sich auf die Suche nach einem Weg zu machen, um Alter, Krank­heit und Tod zu über­winden. Zu diesem Zeit­punkt war Sid­dhar­ta ein Sohn ge­boren worden, was ihn aber nicht von seinem Vor­haben abhielt, son­dern im Ge­gen­teil an­sporn­te. Der Sohn er­hielt den Namen Rāhula: „Fessel“.4

    Askese und Erleuchtungtop↑

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    Siddhartha kleidet sich in Leichentücher
    Der welt­flüch­tige Sid­dhar­tha suchte zu­nächst einige be­rühm­te Lehrer auf, zog sich aber bald mit fünf wei­te­ren As­ke­ten ganz aus dem all­täg­lichen Leben zurück. In sei­nen as­ke­ti­schen Übun­gen über­traf Sid­dhar­tha seine Mit­brü­der. Er ma­ger­te ab bis auf die Kno­chen, klei­de­te sich in die Lum­pen von Toten und me­di­tier­te des Nachts unter wil­den Tieren und auf Fried­höfen. Nach sechs Jahren er­kann­te er jedoch, dass auch dieser Weg ihn zu sehr an das Dies­seits band. Er nahm eine Schale Milch­reis an, die ihm die fromme Sujātā dar­brachte (Akzeptieren eines Genusses), und wusch sich in einem Fluss (Ak­zep­tie­ren kul­tu­rel­ler Bräu­che). Von da an be­schritt er den Mitt­le­ren Weg zwi­schen As­ke­se und Über­fluss. Seine fünf Mit­brüder aber wand­ten sich em­pört von ihm ab.
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    Ver­füh­run­gen und Ein­flüs­te­run­gen wäh­rend der Me­di­ta­tion un­ter dem Bo­dhi-Baum
    Auf sich alleine ge­stellt fasste Sid­dhar­ta den Ent­schluss, so lange zu medi­tieren, bis er die Er­kennt­nis der Über­win­dung von Krank­heit, Alter und Tod erlangt habe. Unter dem be­rühm­ten Pap­pel­feigen­baum (Banyan [ficus religiosa], auch als bodhi-Baum bekannt) in Bodh Gaya sitzend be­gann er seine 49-tägige Medi­ta­tion, die ihn — ver­schie­denen Ver­führungs­ver­suchen durch feind­liche Dämo­nen zum Trotz — zur end­gül­tigen Er­leuch­tung führte. Er er­kann­te, dass alles, was ent­stan­den ist, ver­gäng­lich ist, und dass der Glaube an ei­nen un­ver­änder­lichen, ewigen Wesens­kern, an ein Ich, ein Irr­glaube ist. Am 8. Tag des Zwölf­ten Monats, in seinem 35. Lebens­jahr wurde er somit zum Bud­dha, zum Er­leuch­teten.

    Lehrjahretop↑

    Der Bud­dha begab sich nun in die Nähe der Stadt Be­nares, in den Hirsch­park von Sārnāth, wo er seine fünf Mit­brüder wieder traf und ihnen in seiner ersten Pre­digt als Er­leuch­teter Vier Noble Wahrheiten erläuterte. Diese Predigt ist auch als das „Erste Drehen des Rades der Lehre“ bekannt. Seine Mit­brüder be­kehr­ten sich zu seiner Lehre und wurden zu Arhats (= Höchste Stufe des Mensch­seins vor dem Aus­tritt aus dem Ge­burten­kreis­lauf). Der Hirsch­park von Sar­nath ist somit der Ort, an dem sich die erste bud­dhis­tische Mönchs­ge­mein­de kon­stitu­ierte.
    In den fol­gen­den 45 Jahren führte der Bud­dha das Leben eines besitz­losen Bettel­mönchs und zog mit einer Schar von Jün­gern predi­gend durch Indien, vor­nehm­lich durch das nord­indi­sche Reich Magadha. Er setzte sich dabei über alle exis­tieren­den Kasten­schran­ken hin­weg und war sowohl bei den Ärmsten als auch in vielen Herr­scher­häu­sern gern ge­sehener Gast. Den­noch wurde er auch an­ge­zwei­felt oder gar attackiert. Selbst in­ner­halb seiner Mönchs­ge­mein­de gab es eine Ab­spal­tung, die von Bud­dhas ei­ge­nem Cousin, Devadatta, an­ge­führt wurde. Deva­datta ver­suchte nicht nur, dem Bud­dha seine Ge­folg­schaft ab­spen­stig zu machen, er un­ter­nahm auch An­schläge auf Bud­dhas Leben. Ein­mal ließ er zum Bei­spiel einen Ele­fanten auf Bud­dha hetzen, der aber an­gesichts des Er­leuch­teten sofort ehr­furchts­voll nieder­kniete (dieser kniende Elefant ist häufig Gegen­stand hagio­gra­fischer Dar­stel­lungen). In Magadha, wo Bud­dha unter König Bimbisāra freund­schaft­lich auf­ge­nom­men wurde, zettelte Deva­datta aus Eifer­sucht einen Staats­streich durch den Sohn des Königs, Ajātaśatru (jap. Ajase) an. Der König beging darauf­hin Selbst­mord oder wurde, nach einer anderen Ver­sion vom eigenen Sohn getötet. Die Be­keh­rung des reu­mütigen Ajātasatru und seine Auf­nahme in Bud­dhas Gefolg­schaft stellt eine wich­tige Epi­sode dar, die die Groß­mut des Bud­dha unter­streicht.

    Schülertop↑

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    Buddha predigt seinen Schülern.
    Unter den positiv be­setz­ten Schülern des Bud­dha tauchen immer wieder auf:
    • Śāriputra, Haupt­schüler des Bud­dha, von dem im Theravāda Bud­dhis­mus viele eigene Predigten über­liefert werden. Älter als der Bud­dha selbst, starb er noch zu des­sen Leb­zeiten und ging ins Nirvāṇa ein. Im Mahāyāna Bud­dhis­mus weniger prominent, taucht er z.B. im Herz Sutra als Dialog­partner von Bodhi­sattva Avalokiteśvara (Kannon) auf.
    • Maudgalyāyana (jap. Mokuren), ein enger Freund Shari­putras. Ihm werden diverse über­natür­liche Eigen­schaften zu­ge­schrie­ben. Auch er starb noch vor dem Bud­dha eines ge­walt­samen Todes, den der Bud­dha mit seinem schlechten Karma aus früheren Existenzen er­klärte. In Japan ist Maudgalyayana/Mokuren vor allem dafür be­kannt, dass er durch Gebete seine ver­stor­bene Mutter aus der Hölle, bzw. aus ihrer Existenz als Hungergeist befreite.
    • Ānanda (jap. Anan), der jün­gere Bruder des ab­trün­ni­gen Deva­datta (s.o.), beide Cousins des Buddha. Be­kannt für sein gutes Ge­dächt­nis soll er beim legen­dären ersten Konzil des Bud­dhis­mus, einige Jahre nach Bud­dhas Tod, die Lehr­reden des Bud­dha aus­wendig vor­ge­tra­gen haben. Er war also so etwas wie ein Evan­gelist des Bud­dhis­mus, aus dessen mündlicher Über­liefe­rung die Sutren her­vor­gingen.
    • Mahākāśyapa (jap. Daikashō), der Orga­nisa­tor des ersten Konzils. Vor allem in der Chan, bzw. Zen Tradi­tion be­deu­tsam, die in Mahaka­shyapa ihren ersten Pa­tri­arch­en sieht. Laut dieser Tradi­tion trat der Bud­dha einmal vor die ver­sam­mel­ten Mönche und tat nicht mehr, als eine Lotos­blume schweigend in der Hand zu drehen. Alle Mönche waren rat­los, nur Mahaka­shyapa lächelte ge­heimnis­voll. Bud­dha ver­kün­dete daraufhin, dass all seine Weisheit und sein Geist auf Mahaka­shyapa über­ge­gangen seien.
    • Vimalakīrti (jap. Yuima), ein rei­cher Kauf­mann und Laien­an­hän­ger, der erst im Maha­yana auftaucht, hier aber der Held eines eigenen Sutras ist. An seinem Bei­spiel wird gezeigt, dass der Bud­dhis­mus auch für „Haus-Halter“, also für Leute, die im welt­lichen Leben stehen, die richtige Option ist.
    Manche Orte in Indien sind mit be­rühm­ten Predigten des Bud­dha ver­bun­den, u.a. der so­ge­nann­te „Geierberg“ (Juhō-sen) im Reich Magadha, nahe der Haupt­stadt des Königs Bimbi­sāra. Viele Sutras, u.a. das Lotos-Sutra, führen sich auf Predig­ten zurück, die der Bud­dha hier ver­kün­det haben soll.

    Ablebentop↑

    Im 80. Lebens­jahr er­krank­te der Bud­dha, nach­dem er wissen­tlich ein ver­gif­tetes Mahl zu sich ge­nom­men hatte, und sah vor­aus, dass er nun ins Nir­vana ein­gehen werde. Im Wald des Schlos­ses von Kuśīnagara, im Schat­ten zwei großer Shala-Bäume, hauchte er sein ir­di­sches Leben im Kreise seiner Schüler aus, denen er bis zuletzt ge­pre­digt hatte. Bud­dhas Leich­nam wurde nach seinem Tod ein­ge­äschert. Zwi­schen dem König von Kushina­gara und den um­liegen­den Herr­schern entstand ein Disput, wem der Besitz der Asche des heiligen Mannes zu­stünde. Schluss­endlich einigte man sich, sie auf­zu­teilen, und so wurde der Buddha an acht Orten bei­gesetzt, an denen jeweils Grab­monu­mente (stūpa) er­rich­tet wurden. Einige Zeit nach Bud­dhas Tod wurden seine Lehren auf dem „ersten bud­dhis­tischen Konzil“, an dem 500 Arhats unter der Führung von Mahaka­shyapa teil­nahmen, kodi­fiziert. Hundert Jahre nach Bud­dhas Ab­leben fand das zweite „Konzil“ statt, auf dem vor allem die Mönchs­regeln neu fest­gelegt wurden. Weitere Konzile folgten. (Historisch gelten diese Konzile als nicht gesichert.)

    Anmerkungentop↑


  2. Laut einer tradi­tio­nellen Da­tie­rung lebte Bud­dha von 563–483 v.u.Z. Diese ge­nauen An­ga­ben wer­den heute aller­dings in Zwei­fel ge­zo­gen.

  3. Der Pali-Kanon, eine der ältesten Schrif­ten­samm­lun­gen des Bud­dhis­mus, enthält u.a. eine Samm­lung von über 500 Er­zäh­lun­gen zu Bud­dhas Leben, deren Haupt­akzent auf Bud­dhas Leben in frü­he­ren Existenzen liegt. Diese Er­zäh­lun­gen werden als Jātaka (Wie­der­ge­burts­ge­schich­ten) be­zeich­net. Oft­mals spielen hier Tiere eine tra­gen­de Rolle, denn der Bud­dha hatte in frü­he­ren Existenzen ja auch nicht-mensch­liche Formen der Wieder­geburt durch­laufen. Die Bio­gra­phie des his­to­ri­schen Bud­dhas ist jedoch auch in den Jātakas ent­hal­ten und zwar in der Einleitenden Erzählung der Wie­der­ge­burts­ge­schich­ten (Übersetzung J. Dutoit 1906, Digitalisierung: Volker Junge).

  4. Die obigen Ab­bil­dun­gen stam­men aus Alchi, einem bud­dhis­ti­schen Kloster­komplex im in­di­schen Teil des Himalaya. Alle Detail­bilder aus Bud­dhas Leben sind auf dem Hüft­tuch (dhoṭī) einer knapp 5m hohen Skulptur des Bodhi­sattva Maitreya, des „Buddhas der Zukunft“, zu finden:
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    Bodhisattva Maitreya
    Kloster Sumtseg, in Alchi, Ladakh, N-Indien.
    Christian Luczanits, der Autor der em­pfehlens­werten Website Indian and Tibetan Buddhist Art, schreibt in der Ein­lei­tung zur Bil­der­serie von Bud­dhas Leben:
    The depiction of the legend on Maitreya’s dhoti is a unique inter­pre­tation of the Bud­dha’s life that not only in­cor­po­rates the dif­ferent authori­tative tradi­tions but also success­fully hints to­wards the true nature of the Bud­dha in Maha­yana. The life of a Bud­dha is nothing else than the mar­vellous dress of a super-human, namely Mai­treya, who is himself an emana­tion of the true nature of a Bud­dha re­presented as Vairocana in his crown.

  5. Der Ge­rechtig­keit halber muss er­wähnt werden, dass Rahula schluss­end­lich auch in die bud­dhis­tische Or­dens­ge­mein­schaft auf­ge­nom­men wurde. Den­noch ist Bud­dhas kaltes Ver­hält­nis zu sei­nem Sohn als Bei­spiel der so­ge­nann­ten „Haus­losig­keit“, also der be­wuss­ten Ab­kehr von Haus und Fa­mi­lie des idea­len bud­dhis­ti­schen Mönchs an­zu­sehen.

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